Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln: Interview mit den Gründern von „etepetete“

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Gründergespräche: ein Interview mit dem Start-up „etepetete“

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Die Verschwendung von noch essbaren Lebensmitteln in Deutschland ist immens. Im Schnitt wirft jeder von uns mehr als 50 Kilogramm Obst und Gemüse einfach in die Tonne. Zahlen, die uns einerseits betroffen, andererseits zum Umdenken anregen. Aber nicht nur uns: Das Münchner Start-up „etepetete“ hat es sich zur Aufgabe und Berufung gemacht, Lebensmittel zu retten. Über die Website der Münchner kann Obst und Gemüse geordert werden, das es nicht in den Supermarkt geschafft hätte: weil es zu klein, zu krumm, zu schief ist - oder kurz: weil es nicht der EU-Norm entspricht.

„etepetete“ möchte etwas ändern. Das Unternehmen stellt Boxen mit Bio-Gemüse und Obst aus biologischem Anbau zusammen, verschickt diese - und bewahrt Lebensmittel so vor dem sicheren Ende in der Mülltonne. Wir haben mit den Gründern über ihr Konzept, Lebensmittelverschwendung und ihren Weg von der Gründung zum gut laufenden Unternehmen gesprochen.

Carsten Wille, Georg Lindermair und Christopher Hallhuber gründeten 2014 das Start-up „etepetete“.  Foto:  etepetete

Carsten Wille, Georg Lindermair und Christopher Hallhuber gründeten 2014 das Start-up „etepetete“. Foto: etepetete

 

Lasst uns über Lebensmittelverschwendung reden

Hallo ihr drei. Wie viel Obst und Gemüse wird jährlich ausgemustert? Und was passiert mit den aussortierten Waren?
Grob kann man sagen, dass etwa 15 bis 50 Prozent einer jeden Ernte in Deutschland abgelehnt werden. Oftmals werden die aussortieren Erträge einfach wieder in die Erde eingearbeitet, zu Tierfutter verarbeitet oder in der Biogasanlage zweckentfremdet.

Warum wird manches Obst und Gemüse aussortiert und schafft es nicht in den Supermarkt?
Schuld daran sind meistens strenge Auflagen und EU-Normen, die vorgeben, wie lang beispielsweise ein Rettich sein darf oder wie groß eine Kartoffel sein muss, um im Supermarkt zu landen. Da gibt es zu jeder Obst- und Gemüsesorte strenge Normen, die eingehalten werden müssen.

Ist das Thema Lebensmittelverschwendung ein typisch deutsches Problem oder ist es ein weltweites?
Lebensmittelverschwendung ist ein globales Problem und wir müssen alle anpacken, um es anzugehen. Besonders wenn man sich vor Augen hält, dass jeder Deutsche jährlich bis zu 55kg Obst und Gemüse einfach wegschmeißt.

Wann habt ihr euch gegründet? Und warum?
Gegründet wurde „etepetete“ 2014 von Carsten Wille, Christopher Hallhuber und Georg Lindermair. Die ursprüngliche Idee zu Etepetete stammt von Carsten, der nach einer Unterhaltung mit einem Supermarkt-Angestellten einen Aha-Moment hatte und festgestellt hat, wie viele Lebensmittel im Abfall landen. Beim Supermarkt landeten nicht nur Produkte mit nahendem Ablaufdatum im Müll, sondern auch Obst und Gemüse, welches nicht verkauft wurde.

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Krummes Obst und Gemüse muss nicht in der Tonne landen.  - Fotos:  etepetete

Krummes Obst und Gemüse muss nicht in der Tonne landen. - Fotos: etepetete

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Aus der Garage heraus zum Start-up

Anfangs sollt ihr Gemüse aus einer Garage heraus verkauft haben. Wann ist euch bewusst geworden, dass sich daraus auch ein Geschäftsmodell entwickeln lässt?
Unsere ersten Boxen packten wir in einer Halle, die so klein war, dass sie eher einer Garage ähnelte. Wir wussten ziemlich schnell, dass diese Idee viele Menschen ansprechen wird, da wir alle davon betroffen sind. Denn vieles bleibt dem Endkonsumenten verborgen und wir wollten mit unserer Idee darauf aufmerksam machen. Wir denken, dass uns das ganz gut gelungen ist ;)

Hattet ihr zuvor Erfahrungen in der Lebensmittelbranche? Oder war es für euch ein Sprung ins kalte Wasser?
Es war für uns tatsächlich eher der Sprung ins kalte Wasser. Die Lebensmittelbranche hat uns allerdings schon länger interessiert und für uns war klar, dass wir dort tätig werden wollen.

Hattet ihr anfangs Schwierigkeiten, mit denen ihr zu kämpfen hattet? Wie habt ihr Skeptikern den Wind aus den Segeln genommen?
Natürlich haben wir uns mit Skeptikern auseinandersetzen müssen, denn zu Beginn klang unsere Idee für einige sicher etwas abgefahren. Allerdings hat unsere Idee auch direkt Interesse geweckt, nur wussten einfach viele nicht, dass krummes Gemüse wirklich in solchen Massen existiert und aussortiert wird.

Wie viele Boxen habt ihr bislang verkauft? Und wie viele Mitarbeiter arbeiten bei euch in München?
Wir haben bisher mehr als 1,3 Millionen Kilogramm Obst und Gemüse vor dem Wegwerfen gerettet. Dazu tragen täglich unsere circa 15 Mitarbeiter im Büro und unser Team in unserer Packhalle am Münchner Großmarkt, das aus circa 40 Personen besteht, bei.

In einer Mix-Box “Classic” stecken zwischen 4 kg und 5 kg Obst und Gemüse. Sie kann für 23,90 Euro bestellt werden.

In einer Mix-Box “Classic” stecken zwischen 4 kg und 5 kg Obst und Gemüse. Sie kann für 23,90 Euro bestellt werden.

Bio-Landwirte beliefern das Start-up „etepetete“

Ihr arbeitet eng mit Landwirten zusammen, die euch mit Obst und Gemüse beliefern, das zuvor aussortiert wurde. Wie sucht ihr euch eure Partner aus?

Unser Einkaufsteam sucht sich Partner-Landwirte nach verschiedene Kriterien aus. Natürlich steht an erster Stelle der nachhaltige und biologische Anbau von Obst und Gemüse. Wenn möglich, arbeiten wir mit Demeter- und Naturland-Landwirten zusammen, da dort besonders auf die gesamte Produktionskette geachtet wird.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Landwirten ab?

Oftmals besucht unser Einkaufsteam Landwirte im Umland und plant auch gelegentlich kurze Trips zu Landwirten, die etwas weiter entfernt sind. Der persönliche Kontakt ist natürlich wichtig, da so die besten und nachhaltigsten Beziehungen aufgebaut werden können. Das Tagesgeschäft läuft natürlich dann von unserem Büro in München per Telefon ab.

Wird ausschließlich „aussortierte“ Ware in euer Sortiment aufgenommen?

In unseren Kisten landen tatsächlich hauptsächliche aussortierte Sorten. Da unser Kundenstamm aber seit dem Versand unserer ersten Box deutlich gewachsen ist, müssen wir auch öfter Bio-Ware dazu kaufen, um auch all unsere Boxen füllen zu können. Das ist aber immer unterschiedlich.

Sortiert auch ihr noch manches Gemüse und Obst aus?

Ja, das müssen wir sogar. Bei uns wird aussortiert, was nicht unseren Qualitätsansprüchen entspricht. Das bedeutet, Gemüse und Obst, welches Anzeichen von Schimmel oder Ähnlichem aufweist, packen wir natürlich nicht in unsere Boxen.

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Das Obst und/oder Gemüse wird in Pappboxen geliefert. Vom Inhalt wird der Kunde überrascht - er richtet sich aber nach der Saison. Ein Plus: In jeder Box liegt zusätzlich ein Rezept bei.

Das Obst und/oder Gemüse wird in Pappboxen geliefert. Vom Inhalt wird der Kunde überrascht - er richtet sich aber nach der Saison. Ein Plus: In jeder Box liegt zusätzlich ein Rezept bei.


Wenn ihr Lust bekommen habt, auch einmal eine Box von „etepetete“ zu bestellen und zu testen, dann schaut auf der Homepage der Gründer vorbei. Mit dem Code >>backstuebchenblog<< erhaltet ihr auf alle Boxen 5 Euro Rabatt.

Ihr habt selbst ein Start-up im Bereich Food und habt Interesse an einem Beitrag in unseren Tischgeschichten? Dann setzt euch mit uns in Verbindung. Wir freuen uns über jede Anfrage und Anregung von euch.

Habt es schön,
Eure Madeleine & Euer Flo.

*Dieser Beitrag entstand in herzlicher Zusammenarbeit mit dem Team von Etepetete